Als sie nun in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage an den Ölberg, sandte Jesus zwei Jünger voraus und sprach zu ihnen: Geht hin in das Dorf, das vor euch liegt. Und sogleich werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Füllen bei ihr; bindet sie los und führt sie zu mir! Und wenn euch jemand etwas sagen wird, so sprecht: Der Herr bedarf ihrer. Sogleich wird er sie euch überlassen. Das geschah aber, auf dass erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht (Sacharja 9,9): »Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttiers.« Die Jünger gingen hin und taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, und brachten die Eselin und das Füllen und legten ihre Kleider darauf, und er setzte sich darauf. Aber eine sehr große Menge breitete ihre Kleider auf den Weg; andere hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. Das Volk aber, das ihm voranging und nachfolgte, schrie und sprach: Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe! Und als er in Jerusalem einzog, erregte sich die ganze Stadt und sprach: Wer ist der? Das Volk aber sprach: Das ist der Prophet Jesus aus Nazareth in Galiläa. Matthäusevangelium Kapitel 11

Einzug Christi in Jerusalem Konstantinopel 10 Jh

Am Palmsonntag wird des Einzugs Jesu in Jerusalem gedacht. Zum Zeichen seines Königtums jubelte das Volk ihm zu und streute dem nach Jerusalem Kommenden Palmzweige und Kleider auf den Weg. So sollte die Freude über seine Ankunft gezeigt werden. Palmen wurden vielerorts als heilige Bäume verehrt, waren etwa in Delos dem Apollon heilig. Im Mittelmeerraum galten sie von alters her als Sinnbild des Lebens und des Sieges, in Israel insbesondere auch das Symbol für die Unabhängigkeit und den siegreichen König. Das Motiv des Königs, der auf einem Esel reitend kommt, findet sich als Sinnbild des gewaltlosen Friedenskönigs und der Demut beim biblischen Propheten Sacharja. Darauf wird in der Erzählung Bezug genommen. Vielfach wird der Ritt auf einem Esel beim Einzug auch als Gegenbild zu den Soldaten und Herrschern gesehen, die auf Pferden oder Kriegswagen kamen. Jesus ist ein Friedenskönig, der auf Gewalt verzichtet und darauf vertraut, dass die Menschen ihm freiwillig und gerne folgen. Der Esel ist das Last- und Reittier der einfachen Bevölkerung. Er steht für Wohlstand, der durch Arbeit erreicht wird. Das Leben ist ein Geschenk, um es aber zu erhalten, bedarf es aber menschlicher Anstrengung und Mühe.
Das ist auch der Bezug zur sich direkt an den Palmsonntag anschließenden Karwoche. Jesus tritt für das Leben ein. Sein Kommen ermöglicht eine ganz enge, unmittelbare Beziehung mit Gott. Kranke werden heil, Traurige finden wieder Freude am Leben. Jedoch kostet dies etwas. Jesus ist bereit, sein eigenes Leben dafür einzusetzen und Menschen für diese Hingabe empfindsam zu machen. In den nächsten Tagen können wir daran teilhaben.
Hardy Rheineck

Ahab sagte Isebel alles, was Elia getan hatte und wie er alle Propheten Baals mit dem Schwert umgebracht hatte. Da sandte Isebel einen Boten zu Elia und ließ ihm sagen: Die Götter sollen mir dies und das tun, wenn ich nicht morgen um diese Zeit dir tue, wie du diesen getan hast! Da fürchtete er sich, machte sich auf und lief um sein Leben und kam nach Beerscheba in Juda und ließ seinen Diener dort. Er aber ging hin in die Wüste eine Tagereise weit und kam und setzte sich unter einen Ginster und wünschte sich zu sterben und sprach: Es ist genug, so nimm nun, HERR, meine Seele; ich bin nicht besser als meine Väter. Und er legte sich hin und schlief unter dem Ginster. Und siehe, ein Engel rührte ihn an und sprach zu ihm: Steh auf und iss! Und er sah sich um, und siehe, zu seinen Häupten lag ein geröstetes Brot und ein Krug mit Wasser. Und als er gegessen und getrunken hatte, legte er sich wieder schlafen. Und der Engel des HERRN kam zum zweiten Mal wieder und rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir. Und er stand auf und aß und trank und ging durch die Kraft der Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Berg Gottes, dem Horeb. 1.Kön 9, 1-8 

Elia Ein Engel rettet Elia, Dierick Bouts, 15. Jh.

Liebe Lesende,
eine uns fremde und in diesen Tagen sehr aktuelle Geschichte. Wer hätte gedacht, dass wir uns noch einmal mit den Opfern von politischer Gewalt so intensiv beschäftigen müssen. Die vor dem Krieg in der Ukraine Fliehenden sind jetzt bei uns. Es sind viele und es werden mehr. Was können wir tun?
Am Anfang steht auch in der biblischen Geschichte ein Streit, ein Krieg, ein Fluch und eine Drohung gegen das Leben. Elia muss alles zurücklassen. Als er nicht mehr weiter weiß und nicht mehr weiter kann, setzt er sich unter einen Ginsterbuch und will sterben. Er ist vollkommen erschöpft, versteht die Welt und seinen Gott nicht mehr. Doch was er für das Ende hält, ist es nicht. Es braucht nicht viel fürs Weiterleben. Aber das Wenige ist um so bedeutender: Berührung: dass ich von einem andern angerührt werde. Zuwendung: dass ich nicht allein bin. Hilfe: dass sich jemand um mich sorgt; für die Seele sorgt und für den Leib sorgt: einen Ort, wo man schlafen kann, Brot und einen Krug Wasser. Die Erschöpfung ist so groß, dass einmal nicht ausreicht. Manche Dinge müssen wieder und wieder getan werden, bis es passt, bis die Kraft ausreicht, für das, was noch kommt. Der Weg, den Elia begonnen hat, endet nicht in der Wüste. Er führt später zum Gottesberg. Doch bis er dort ankommt, braucht es Zeit, auch die Zeit, in der ein Engel für ihn da ist. Wir befinden uns gerade genau in dieser Zeit. Wir können für andere zum Engel werden. Uns geht es gut. Wir haben Raum und Zeit. Wir haben Brot und Wasser.Wir können Trost spenden und Menschen für den Weg stärken, den Gott für sie vorgesehen hat. Was wir erleben, ist nicht das Ende, aber es ist die Zeit, wo es auf uns ankommt.
Hardy Rheineck

Sonntagsgruß, 20. Februar 2022 

Liebe Gemeinde,Bibel
Das Wort Gottes - was ist das eigentlich? Viele würden wohl spontan antworten: Die Bibel! Gott hat sie uns gegeben, die Worte darin sind durch den Heiligen Geist den Menschen, die sie aufschrieben, eingegeben.
Doch die das behaupten müssen sich fragen lassen: wie kommt es dann, dass z.B. die Berichte von Jesus, die vier Evangelien, nicht in allen Dingen miteinander übereinstimmen? Warum ist es überhaupt notwendig, vier verschiedene Berichte aufzuschreiben und festzuhalten?
Wir sehen, so einfach ist das mit dem Wort Gottes nicht. Die Bibel kann jedenfalls nicht pauschal als Wort Gottes bezeichnet werden. Sie berichtet vielmehr von den Erfahrungen, die die Menschen mit Gott gemacht haben.

Sonntag Estomihi

Und Jesus fing an, sie zu lehren: Der Menschensohn muss viel leiden und verworfen werden von den Ältesten und den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen. Und er redete das Wort frei und offen. Und Petrus nahm ihn beiseite und fing an, ihm zu wehren. Er aber wandte sich um, sah seine Jünger an und bedrohte Petrus und sprach: Geh hinter mich, du Satan! Denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist. Und er rief zu sich das Volk samt seinen Jüngern und sprach zu ihnen: Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben behalten will, der wird's verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird's behalten. Denn was hilft es dem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen und Schaden zu nehmen an seiner Seele? Denn was kann der Mensch geben, womit er seine Seele auslöse? Wer sich aber meiner und meiner Worte schämt unter diesem ehebrecherischen und sündigen Geschlecht, dessen wird sich auch der Menschensohn schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln.
Markusevangelium Kapitel 8, 31-38
Liebe Gemeinde,
von all diesen, mit großem Gewicht ausgestatteten Worten: Leiden, Sterben, Nachfolge, Leben, Seele und Menschensohn ist es doch gerade das kleinste, welches uns die größten Probleme macht. Es ruft den Widerstand des Petrus hervor, der ja als Sprecher der Jünger auftritt, auch von dem, was sich in uns regt. Dieses Wörtchen mit großem Widerhaken ist das Wörtchen „muss“. Der Menschensohn muss leiden und verworfen werden, er muss sterben. Bei alledem fragen wir sofort, muss das wirklich sein? Geht es denn nicht anders? Wozu muss denn gelitten werden? Gewiss, wir sagen, Gott lenkt die Welt und er lenkt auch unser Leben. Doch warum lenkt er es nicht zumindestens am Leid vorbei?

So spricht der HERR: Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke, ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums. Sondern wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er klug sei und mich kenne, dass ich der HERR bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden; denn solches gefällt mir, spricht der HERR. (Jeremia 9, 22f)

Liebe Gemeinde,
wessen rühmen sich Menschen?
Schon zu Zeiten des Propheten Jeremia waren das eine hohe Intelligenz, ein gestählter Body oder viel Geld: Weisheit, Stärke, Reichtum. Das hat sich bis heute kaum geändert. Unter diesen Dreigespann kann man so ziemlich alles unterbringen, was im Leben eines Menschen als erstrebenswert oder erfolgreich gilt.
An sich sind das ja keine schlechten Dinge. Ein bisschen mehr Weisheit würde uns allen doch guttun und ein bisschen mehr Fitness, gerade nach zwei Jahren Coronacouchdasein, dagegen hätte sicherlich auch niemand etwas. Über Geld will ich gar nicht erst reden, wo doch alles immer teurer wird.
Wozu wollen oder gar brauchen wir Weisheit, Stärke und den überfließenden Reichtum, den unsere Welt ja durchaus bietet? Was ist eigentlich das Ziel, welches wir Menschen haben, und wofür wir Mühen auf uns nehmen? Es ist doch nicht reich sein um des Geldes willen, oder stark sein oder klug sein.
Vielmehr erwarten wir von diesen Zuständen oder Eigenschaften klug, stark und reich eine Wirkung, die unser Leben erfüllt. Sie sind Mittel zum eigentlichen Zweck und Ziel. Klug, fit oder reich kann man werden, und dann? Das eigentliche Ziel ist vielmehr ein gutes Leben zu führen, starke Liebe zu erfahren oder frei zu sein von Sorge. Auch wahres Menschsein oder Glück gehören hier hin.

 
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